Kurische Nehrung in Litauen
LITAUEN

Die Kurische Nehrung in Litauen

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Ein wundersamer Flecken Erde

Die Kurische Nehrung in Litauen gehört zu den eindrucksvollsten und sonderbarsten Landschaften Europas. Eingebettet in eine schmale Landzunge zwischen Haff und Ostsee, beheimatet die Halbinsel riesige Sanddünen und dichte Wälder, in denen sogar Elche leben.

Die Kurische Nehrung – Meer, Wald und Sand

Mitten im dichten Grün bückt sich Jolanda nach einer Plastikverpackung. Ihre beiden Hunde Audra und Mėta wollen spielen, versuchen, ihr das Plastik aus der Hand zu stehlen.

Mit einem Lachen scheucht Jolanda sie weg: „ Wie gut wir es hier haben, zeigt sich auch daran, dass ein Stück Plastikmüll im Wald für die Hunde etwas Aufregendes und Nicht Alltägliches ist“.

Hier, das ist die Kurische Nehrung, eine knapp 100 Kilometer lange Halbinsel, die seit 1945 jeweils zur Hälfte zu Litauen und zum russischen Oblast Kaliningrad gehört und das Kurische Haff von der Ostsee trennt.

Obwohl nicht mehr als ein schmaler Landstreifen umgeben von Wasser – in einer halben Stunde ist der Weg vom Haff zum Meer beschritten – , ist die Kurische Nehrung seit jeher ein Ort, der bewegt.

Das verdankt sie vor allem ihrer wunderschönen, rauen Natur, die Besucher wie Einheimische gleichermaßen fasziniert.

Kurische Nehrung in Litauen

Die Manns in Nida

„Nirgends in Europa war ich je so weit fort von Europa“, fasste Klaus Mann 1931 seine Eindrücke zusammen, die zwei Sommer auf der Kurische Nehrung bei ihm hinterlassen hatten.

Auch seinen Vater, Literaturnobelpreisträger Thomas Mann, veranlasste die seltsame und einzigartige Landschaft zu regelrechten Begeisterungsstürmen.

Die Manns kamen 1929 zum ersten Mal auf die Kurische Nehrung und waren von dem seltsamen Flecken Erde so begeistert, dass sie sich ein hölzernes Sommerhäuschen in der Tradition der örtlichen Fischerhäuser hier erbauen ließen.

Die Aussicht, die Thomas Mann von seinem Mansarden-Arbeitszimmer hatte, nannte er liebevoll „meinen Italienblick“.

Kurische Nehrung in Litauen
Thomas Manns „Italienblick“

Jolanda kann die Begeisterung für die Nehrung nur allzu gut verstehen: „Die Natur hier ist so schön und so abwechslungsreich, dass es unmöglich ist, sie nicht jeden Tag aufs Neue zu bestaunen“.

Die Menschen der Kurischen Nehrung

Doch dass das Leben auf der Nehrung nicht nur Bilderbuchidylle ist, weiß niemand besser als Jolanda.

Sie hat ihr ganzes Leben auf der Nehrung verbracht und betreibt eine kleine Pension mitsamt Souvenirgeschäft im Zentrum von Nida, dem mit ca. 3000 Einwohnern größten Ort der Halbinsel.

Das ist harte Saisonarbeit.

Denn Touristen kommen nahezu ausschließlich im Sommer auf die Nehrung. „Während der Saison arbeiten ich und meine Familie rund um die Uhr, sieben Tage die Woche“, berichtet sie. „Erst im Spätherbst wird es dann wieder ruhiger und ich habe Zeit, die Natur in aller Ruhe zu genießen.“

Alle Bewohner der Nehrung kennen diesen zweigeteilten Jahresrhythmus, leben direkt oder indirekt vom Tourismus. Das birgt Unsicherheiten und Abhängigkeiten.

Ein fragiles Miteinander von Menschen und Natur

Dennoch ist das Leben auf der Nehrung heute wesentlich einfacher als zu Zeiten ihrer Vorfahren.

Diese lebten bis vor 80 Jahren noch hauptsächlich als Fischer.

Das Leben war karg und geprägt von der Natur, die so gutmütig wie unbarmherzig sein konnte.

Die Nehrung gehört seit jeher mehr der Natur als den Menschen. Sie sind hier lediglich ein Teil von ihr.

Nur ein einziges Mal vergaßen die Menschen dies. Sie rodeten den ursprünglichen Wald der Nehrung nach und nach fast vollständig und verkauften das Holz an den Schiffsbau.

In der Folge begannen die großen Dünen zu wandern und begruben dabei mehrere Dörfer – einige von ihnen sogar wiederholt – unter ihren Sandmassen.

Kurische Nehrung in Litauen

Die Kiefern, die hier heute wieder dicht an dicht stehen, sind Einwanderer aus Dänemark. Sie wurden ab 1850 massiv angepflanzt, um die Wanderung der Dünen einzudämmen und das natürliche Gleichgewicht auf der Nehrung wiederherzustellen.

Das Ergebnis ist eine bizarre und geradezu mystische Landschaft, die Jean Paul Satre bei seinem Besuch der Kurischen Nehrung gar als „Eingang zum Paradies“ bezeichnete.

Ein Friedensangebot der Menschen an die Natur, das bis heute die fragile Grundlage für das Leben der Menschen auf der Nehrung bildet und beide vor größeren Bausünden und Massentourismus bewahrt.

Kurische Nehrung in Litauen
Auf große Hotelanlagen wird auf der Kurischen Nehrung verzichtet, um das sennsible Ökosystem nicht zu gefährden.

Zu einmalig, um nachzueifern

Plötzlich weckt ein Knistern im Eingangsbereich des Paradieses die Neugier der beiden Hunde.

Drei Rehe kreuzen den Weg und verschwinden mit wenigen, graziösen Sprüngen wieder zwischen den Bäumen.

Später taucht ein Fuchs aus der Abenddämmerung auf, dreht kurz den Kopf und zieht weiter seines Weges.

Nur ein Elch lässt sich heute nicht blicken. Etwa 60 von ihnen leben auf der Nehrung, dank ausgedehntem Naturschutz nimmt ihre Anzahl beständig zu. Obwohl die Tiere für gewöhnlich sehr scheu sind, bekommt man sie bei Waldspaziergängen mitunter zu Gesicht.

Aber selbst ohne Elch ist ein Besuch der Kurischen Nehrung ein Erlebnis, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Als „Sahara des Nordens“ wird die Hohe Düne bei Nida gerne von Touristikern angepriesen, da man sich ob ihrer Weitläufigkeit an die größte Wüste der Welt erinnert fühle.

Doch der Vergleich hinkt. Das beständige Rauschen der allgegenwärtigen Ostsee ist zu präsent, die übergrünen Wälder zu nah, um einer anderen Landschaft nachzueifern.

Als einer der ersten verstand Wilhelm von Humboldt, dass die Kurische Nehrung nicht verglichen, sondern bewundert werden will.

Er beschrieb sie als „so merkwürdig, dass man sie gesehen haben muss, wenn einem nicht ein wunderschönes Bild in der Seele fehlen soll.

Jolanda nimmt die Plastikverpackung aus dem Wald, wirft sie in einen Papierkorb und deutet nach Westen.

Dort taucht die Sonne gerade in die Ostsee und verwandelt den Himmel über der Nehrung in ein einziges Feuer aus Farben.

Spätestens jetzt ist jeder Vergleich unmöglich.

Kurische Nehrung in Litauen

Infos:

Beste Reisezeit

Die Kurische Nehrung ist zwar ganzjährig ein einzigartiges Erlebnis, allerdings findet man im Winter beinahe keine touristische Infrastruktur vor, sodass die beste Reisezeit von Juni bis Anfang September ist.

Die meisten Besucher verzeichnet die Kurische Nehrung im Juli und August.

Anreise

Der nächstgelegene Flughafen ist auf dem litauischen Festland in Palanga. Dieser wird unter anderem von SAS und Air Baltic angeflogen. Einige der Unterkünfte können einen Flughafentransfer auf die Nehrung organisieren.

Ansonsten kannst du mit dem Bus vom Flughafen in Palanga zum Busbahnhof in Klaipėda fahren, dir ein Taxi nehmen oder einen Leihwagen mieten.

Alternativ besteht eine Fährverbindung zwischen Kiel und Klaipėda, die besonders bei Reisenden mit eigenem PKW sehr beliebt ist.

Von Klaipėda fahren zwei Fähren auf die Nehrung (die Fahrt dauert keine 5 Minuten), von denen nur diejenige, die am neuen Fährterminal ablegt, auch Autos transportiert.

Auf der Nehrung gibt es tägliche Busverbindungen zwischen Nida und Smiltynė, wo die Fähre nach Klaipėda anlegt.

Die Kurische Nehrung ist Naturschutzgebiet. Es wird eine Maut von Besuchern mit PKW erhoben.

Übernachtung

Nida ist das kulturelle und touristische Zentrum der Kurischen Nehrung und eignet sich gut als Ausgangspunkt, um die Nehrung zu entdecken. Es gibt eine Vielzahl an Übernachtungsmöglichkeiten, vom Drei-Sterne-Hotel bis zum Campingplatz. Am authentischsten ist die Übernachtung in einer der vielen Privatpensionen und -apartments.

Ich kann dir hier unbedingt das charmante Apartment „Siesta“ empfehlen. Es liegt super zentral in der Mitte Nidas, direkt neben, Kino, Cafés und Supermarkt und ist einfach super cool, sauber und gemütlich! Hunde sind auch erlaubt!

Buchbar ist das Siesta direkt über die Besitzerin Gintare unter „kutka.g@gmail.com“.

Das „Siesta“ ist bis maximal 4 Personen geeignet. Wenn du mit mehr als drei weiteren Personen unterwegs bist, findest du hier weitere schöne Apartments in Nida.

Aktivitäten vor Ort

Die Freizeitaktivitäten auf Neringa sind vielfältig. Besonders schön ist eine Fahrradtour über die Nehrung nach Klaipėda.

Alternativ gibt es auch eine Bootsverbindung zwischen Nida, den anderen Orten der Nehrung und Klaipėda.

Unbedingt ins Program gehören auch der Hexenberg in Juodkrantė und eine Bootsfahrt in das wunderschöne Memeldelta.

Im Sommer findet eine Vielzahl kultureller Events auf der Kurischen Nehrung, speziell in Nida, statt.

Weitere Informationen zu Anreise, Fahrplänen, Unterkünften, Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten bietet die Tourismusinformation Neringas.

Dieser Artikel erschien auch in der Ostschweiz am Sonntag.

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