Barcelona Beer Festival
BIER SPANIEN

Bierfestival in Barcelona

Was taugt das Barcelona Beer Festival? – Ein Besuch

Vom 15. bis zum 17. März 2019 fand in Barcelona das Barcelona Beer Festival (BBF) in mittlerweile achter Auflage statt. Das BBF ist eines der größten Bierfestivals Südeuropas und wichtiger Gradmesser der spanischen – und zunehmend auch internationalen – Kreativbier-Szene. Allerdings hat dieses Festival der Superlative auch seine Tücken.

Barcelona Beer Festival
©BBF

Die spanische Kreativbier-Szene ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Brauereien wie „Garage Beer Co.“, „Cerveses La Pirata“ oder „Naparbier“ haben sich mittlerweile international einen Namen gemacht.

Epizentrum der spanischen Craft-Beer-Bewegung ist der Norden des Landes. Dabei hat sich besonders Katalonien mit seiner Hauptstadt Barcelona als Hotspot in Sachen Bier hervorgetan.

So ist es wenig verwunderlich, dass das größte und wichtigste Bierfestival Spaniens auch genau hier, im Herzen der Kreativbie-Bewegung, stattfindet.

Aber auch über die Landesgrenzen hinaus hat sich das Festival herumgesprochen und jedes Jahr kommen mehr ausländische Brauereien und -Besucher in die bezaubernde Stadt am Mittelmeer.

In diesen 5 besonderen Bierbars in Barcelona trinkst lokales Bier mit den Einheimischen zusammen.

Das BBF hat sich das Motto „Klotzen statt kleckern“ auf die Fahnen geschrieben.

Auf einer riesigen Tafel am Kopfende der gigantischen Messehalle „La Farga“ in L’Hospitalet , wo das Festival stattfindet, stehen alle 120 Biere, die zeitgleich ausgeschenkt werden.

Barcelona Beer Festival
©BBF

Fleißige Helfer in weißen Hemden sind ständig damit beschäftigt, Namen von dieser Liste zu tilgen und die entstandenen Lücken sogleich wieder mit neuen Namen zu füllen.

Sobald der Name steht, läutet einer von ihnen lautstark eine Glocke, während ein anderer auf das neue Bier und den Hahn, an welchem es zu finden ist, hinweist.

Dieses Schauspiel wiederholt sich gefühlt alle zwei Minuten und zeigt, in welchem Tempo die Biere auf dem BBF rotieren.

650 Biere, 314 Brauereien

Mehr als 650 verschiedene Biere von 314 Brauereien liefen dieses Jahr während des dreitägigen Festivals aus den Zapfhähnen hinein in die Kehlen der etwa 40 000 Besucher.  

Und jedes Jahr werden es mehr: Mehr Biere, mehr Brauereien, mehr Aussteller, mehr Besucher.

Im Vergleich zum Vorjahr steigerte sich die Zahl der teilnehmenden Brauereien um 33 Prozent, die Zahl der Besucher um knapp 20 Prozent.

Die Zahl der Aussteller, die 2015 an der ersten BBf Pro, der Fachmesse für Brauereibedarf und -Innovationen, die im hinteren Teil der Messehalle stattfindet, teilnahmen, ist in vier Jahren von fünf auf mittlerweile 35 angestiegen.

Auch die Zahl der angebotenen Seminare und thematischen Verkostungen, die in separaten Räumlichkeiten der Messehalle stattfinden, wächst kontinuierlich. 2019 waren es 23 Veranstaltungen.  Schließlich besuchten mehr als 1500 akkreditierte Fachbesucher aus der ganzen Welt 2019 das BBF.

Barcelona Beer Festival
©BBF

Vor allem im spanischsprachigen Raum hat sich das Festival, das 2018 aus Platzmangel von der berühmten Promenade „Las Ramblas“ aus der Innenstadt Barcelonas in das große Messezentrum in L’Hospitalet umgezogen ist, für die teilnehmenden Brauereien zu einer Art Sprungbrett zu Bekanntheit, Prestige und Erfolg entwickelt.

Dazu trägt auch die Bedeutung der „Barcelona Beer Challenge“ (BBC) bei, einem internationalen Bierwettbewerb, dessen Preise im Rahmen des BBFs vergeben werden.

Die BBC ist mittlerweile zum wichtigsten Bierwettbewerb Spaniens geworden. Großer Abräumer der diesjährigen Challenge waren „Cerveses La Pirata“, die den Hauptpreis in der Kategorie „Beste Brauerei“ gewann, sowie Carlos Rodríguez von „d’Ales Agullons“, der den neu geschaffenen Sonderpreis „Steve Huxley“, der besondere Errungenschaften rund um die Förderung der Bierkultur ehrt, erhielt.

Jedes Jahr werden auf dem BBF bestimmte Länder und Regionen in den Fokus gerückt. So präsentierte sich 2019 eine Reihe costa-ricanischer Craftbier-Brauereien mit einem eigenen Stand und in Form einer gemeinsamen Bierverkostung.

Des Weiteren hatten mit dem „Big Craft Day“ (Moskau/Russland), dem „Bierés et Saveurs de Chambly“ (Quebéc/Kanada) und dem „Craft Beer Perkele!“ (Finnland) drei internationale Craft-Beer-Festivals jeweils einen eigenen Partnerstand auf dem BBF.

Party und Fachmesse in einem

Die Größe des BBF ist zugleich seine größte Schwäche.

Die Akustik der Halle ist absolut grauenhaft und der Geräuschpegel in ihr ohrenbetäubend. Vor der Wand mit der Tafel und der Haupttheke davor herrscht zu Stoßzeiten ein Gedränge wie auf dem Woodstock-Festival.

Selbst in den separat gelegenen Seminarräumen dröhnt der Mix aus Musik, Stimmengewirr und Glockengeläute noch in den Ohren.

Das ist nicht nur unheimlich anstrengend, sondern zugleich störend und nervig.

Entspannte Gespräche im Zentrum der Halle sind schlichtweg unmöglich.

Barcelona Beer Festival
©BBF

Besonders drastisch ist es am Freitagabend und ab Samstagnachmittag. Am Samstagabend erreicht der Geräuschpegel seinen Höhepunkt.

Das BBF gleicht zu diesen Zeiten eher einer großen Party als einem Fach-Festival – einer feucht- fröhlichen Party mit jeder Menge guten Bieren.

Dann taucht auch schon mal die ein oder andere übriggebliebene Karnevalsrequisite im Getümmel auf und die Wege vieler Festivalbesucher verwandeln sich von zielgerichteten Geraden in zielgerichtete Schlangenlinien.

In solchen Momenten zeigt das Festival ziemlich deutlich, wozu ein übermäßiger Konsum auch des noch so tollsten Handwerksbieres führen kann.

Die Tatsache, dass die Biere in der Regel in 0,25l-Gläsern ausgeschenkt werden, verstärkt die Verschiebung von einer Fachmesse hin zu einer Großraumdisko zu besagten Zeiten zusätzlich.

Wer vor allem an dem Austausch mit anderen Besuchern und Brauern interessiert ist und mehr über die ausgeschenkten Biere erfahren möchte, ist am besten Freitag- und Samstagmittag bis nachmittags oder am Sonntag, nach der traditionellen Preisverleihung der BBC, am Start. Dann ist es ruhiger und viele der Brauer, deren Biere ausgeschenkt werden, sind selbst vor Ort.

Damit wären wir beim nächsten Schwachpunkt des Festivals: Ein großer Teil der Biere wird von Mitarbeitern des Festivals ausgeschenkt, von denen nicht wenige keinen Schimmer von dem Bier haben, das sie ausschenken.

Um dieses Manko auszugleichen, haben die Veranstalter eine ziemlich gute App entwickelt, die einigermaßen aktuell alle sich im Ausschank befindlichen Biere aufzeigt und Infos zu den Bier und Untappd-Bewertungen gibt.

Motor der Craft-Beer-Entwicklung

Aber selbst die beste App kann den persönlichen Austausch und den besonderen Moment, wenn eine Brauerin oder ihr männliches Pendant mit einem Leuchten in den Augen von ihren neuesten Experimenten im Barrel Aging oder Erfahrungen mit wilden Hefen erzählt, ersetzen.

Dessen ist sich das BBF bewusst und hat die ersten drei Taps für seine „Meet the Brewer“-Reihe reserviert.

Barcelona Beer Festival
©BBF

Hier präsentieren wechselnde Brauereien jeweils für ein paar Stunden sich und ihre Biere, sodass immerhin ein gewisser direkter Kontakt zwischen Brauern und Festivalbesuchern möglich ist.

Einige der Brauereien, die einen festen Hahn auf dem BBF gekauft haben, haben auch immer mal wieder einen Brauer oder Brauereibesitzer vor Ort.

Hier lohnt es sich, regelmäßig die Runde zu machen oder einfach mal direkt zu fragen, ob oder wann jemand vom Fach am Start ist.

Trotz seiner ständig zunehmenden Größe in jeglicher Hinsicht ist das BBF bemüht, es allen recht zu machen und den Besuchern, seien sie nun Bierneulinge, Partylöwen, Beer Geeks oder Fachbesucher, ein schönes Festivalerlebnis zu offerieren.

Wirkung des Bierfestivals auf Barcelona

Schließlich entfaltet das Festival auch eine enorm große Dynamik im bezaubernden Barcelona selbst.

In der Zeit um das BBF herum finden unzählige „Tap Takeovers“, Motto-Wochen wie zum Beispiel 2019 die „Sour Week“ in 21 teilnehmenden Bars  oder aber „Meet the Brewer“ statt.

Viele der Brauer nutzen den Besuch des Festivals außerdem, um mit einer der ortsansässigen Brauereien einen Gemeinschaftssud zu brauen.

Barcelona Beer Festival
©BBF

Somit kann das Barcelona Beer Festival mit Fug und Recht von sich behaupten, ein großer Motor in Sachen Craft-Beer-Entwicklung zu sein.

Sicherlich, ein derart breit angelegtes Festival wird immer mit oben genannten Schwierigkeiten zu kämpfen haben.

Man kann halt bei aller Mühe nicht allen Ansprüchen zu jeder Zeit gerecht werden.

Dennoch zeigt das BBF sehr erfolgreich, was für Synergieeffekte ein Bierfestival bewirken kann und wie ein solches sowohl für die lokale Wirtschaft, als auch für die internationale Craft-Beer-Szene zum Antreiber wird.

Aus der ehemaligen Geheimtipp-Region in Sachen Craft Beer ist längst ein Riese der internationalen Bierszene geworden.

Ein Riese, der immer noch wächst.

Das BBF in aller Kürze

  • Das BBF findet jedes Jahr an drei Tagen im März statt.
  • Es ist das größte Bierfestival Spaniens und eines der wichtigsten für die südeuropäische Craft-Beer-Szene.
  • Den Schwerpunkt bilden spanische Kreativbiere, aber von Jahr zu Jahr wird die Bierauswahl internationaler..
  • Im Rahmen des Festivals finden verschiedene Wettbewerbe und Veranstaltungen sowohl auf dem Festivalgelände als auch in der ganzen Stadt statt.
  • Höhepunkt für die Brauer ist die im Rahmen des Festivals stattfindende Preisverleihung der „Barcelona Beer Challenge“, die die besten Biere und Brauereien des Jahres kürt.
  • Eintritt: Es gibt zwei Ticketvarianten. Variante eins kostet 10,95€ und beinhaltet den Eintritt für die drei Festivaltage, ein Festival Glas (0,25l) und zwei „Tokens“. Variante zwei kostet 51,50€ und beinhaltet neben dem Eintritt, ein T-Shirt, einen Stoffbeutel, zwanzig „Tokens“ sowie ein spezielles Verkostungsglas.
  • Die offizielle Festivalwährung sind sogenannte „Tokens“, die an speziellen Ständen erworben werden müssen. Ein Token hat den Wert von einem Euro. Sie sind das einzig akzeptierte Zahlungsmittel auf dem BBF
  • Es gibt zwei eigene Festivalgläser, die mit dem Ticket erworben werden müssen (entweder Verkostungsglas oder 0,25l-Glas). Das Verkostungsglas ermöglicht den Kauf von 0,1l-Probierschlücken für die Hälfte der Tokens. Andere Gläser sind nicht erlaubt.
  • Jedes Jahr wird ein spezielles Festivalbier gebraut, dessen Erlöse an ein soziales Projekt gespendet werden.

Weitere Infos (in Catalan, Spanisch  und Englisch): https://barcelonabeerfestival.com/?lang=en

Fotocredit Beitragsbild: ©BBF

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