Rum Tasting zu Hause - Interview mit Falk Redlich
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Rum Tasting zu Hause

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Wie du ein Rum Tasting zu Hause einfach organisierst

(Dieser Artikel enthält Partnerlinks zu Rum&Co. Weitere Infos dazu findest du hier.)

Wie organisierst du ein gutes Rum Tasting in den eigenen vier Wänden? Wie bereitest du dich vor? Wie viele verschiedene Rums sollten dabei sein? Wie verkostest du eigentlich richtig? Und welche Fehler solltest du bei einem Rum Tasting zu Hause auf jeden Fall vermeiden?

Über diese und viele weitere Dinge spricht, oder vielleicht sollte ich besser sagen, schnackt, Falk Redlich im Interview mit MojjitoPapers.

Zur Person: Falk alias der „Rum-Schnacker“ ist seit über einem Jahrzehnt in der Welt der Spirituosen zu Hause. Nachdem er lange Zeit bei dem Online-Spirituosenhandel „Rum & Co“ unter anderem in der Kundenberatung gerabeitet, Rum-Blends gemastert und Tastings organisiert und moderiert hat, ist er seit 2021 als „Rum-Schnacker“ selbstständig und betreibt unter anderem einen YouTube-Kanal über Spirituosen und bietet Tastings für Einsteiger bis zum Experten an.

Obwohl wir uns hier ausschließlich der Spirituose Rum widmen, kannst du Falks Tasting-Tipps grundsätzlich bei jedem Tasting zu Hause anwenden, unabhängig von der Spirituose der Wahl.

Rum-Schnacker Falk Redlich im Interview über ein gelungenes Rum Tasting zu Hause

Anmerkung: Da Falk auch im Interview mit MojitoPapers auf seine unverkennbare Art schnackt, sind die Antworten teilweise sehr lang für ein schriftliches Interview geraten. Hier sollen sie dennoch soweit wie möglich ungekürzt veröffentlicht werden, da Falks bildhafte Beispiele auf wunderbar unterhaltsame und intelligente Weise zum Erkenntnisgewinn führen.

Falk, was braucht es für ein Rum Tasting zu Hause im privaten Rahmen? Wie bereite ich mich bestmöglich vor?

Stell dir vor, du bist im Italien-Urlaub. Sommer. Du sitzt auf der Veranda eines Restaurants. Mediterrane Köstlichkeiten. Und dann dieser Wein! Der Kellner erzählt dir, dass der Wein aus der Kellerei um die Ecke stammt, die Trauben dort oben am Hang wachsen und er den Sohn privat kennt.

Ein Zaubertrank, so lecker! Du nimmst eine ganze Kiste mit nach Haus.

Dort erlebst du dein blaues Wunder. Der Wein schmeckt im heimischen Wohnzimmer plötzlich ganz anders. Und du fragst dich, welcher Teufel dich da geritten hat.

In erster Instanz brauchst du also in jedem Fall eine große Portion Ruhe und Gemütlichkeit für ein Rum Tasting zu Hause. Zwischen Tür und Angel oder mitten in der klappernden Küche wird das nichts.

In zweiter Instanz  brauchst du eine gute Portion Wärme. Eine behagliche Raum- oder Außentemperatur, falls du im Sommer draußen sitzen möchtest, ist wichtig. Wenn du darauf verzichtest, dann entpuppt sich das Tasting schnell als eine unbeliebte Erfahrung – wie der Urlaubswein zu Hause.

Sorge also dafür, dass einigermaßen Ruhe in der Bude ist.

Dreh die Heizung rechtzeitig auf oder wenn du kannst, macht den Holzofen scharf. Serviere einen heißen Tee, falls es draußen sehr kalt ist. 

Plaudert vorweg ein wenig, damit der größte Drang, sich anderweitig auszutauschen, erst einmal gelöscht ist und Ruhe einkehren kann. Dann ist der Moment gekommen, loszulegen. Schnapp dir ein paar Aufzeichnungen, die du für jeden Rum angelegt hast und lies sie den anderen vor. Wo kommt der Rum her, wer hat ihn produziert, usw. Genau wie der Kellner dir vom Wein erzählte.

„Wenn du das Glas in deiner Hand nicht magst, dann fühlt sich das Tasting negativ an“

Ist es deiner Meinung nach wichtig, spezielle Verkostungsgläser zu verwenden oder sollte das für ein Tasting zu Hause im privaten Rahmen keine große Rolle spielen?

Ein riesiger Empfang in einem großen Saal bei einer Premiere. Canapés werden auf dem Tablett gereicht und was darf dazu nicht fehlen? Der Sekt, ganz klar.

Und nun stell dir vor, ich gehe an die Gläser und trenne bei jedem einzelnen den Stil ab. Wie fühlt sich das Sektglas nun an – so kurz und ohne Stil?

Verloren. So fühlt es sich an.

Deplatziert und eigenartig. Nichts mehr, woran du dich irgendwie festklammern kannst. Das Glas bestimmt zu einem guten Teil, wie du dich beim Trinken fühlst.

Insofern spielt das Verkostungsglas auf jeden Fall eine Rolle. Je mehr du dich mit dem Thema „Tasting“ beschäftigst, desto wichtiger wird die Form. Auf drei Punkte kannst du von Beginn an achten:

1. Unten sollte das Verkostungsglas etwas breiter sein, damit der Rum eine anständige Oberfläche bekommt, wenn er eingeschenkt wird. Dies dient dem Kontakt mit Sauerstoff und der Aromaentfaltung.

2. Nach oben sollte sich das Glas verjüngen, dann werden die heraufsteigenden Aromen konzentriert und du hast es leichter zu riechen. An der breitesten Stelle sollte sich eine Füllmenge von 4 cl  im Glas befinden.

3. Je dünner das Glas, desto besser ist das für das Genuss-Erlebnis. Das Glas kann schneller Temperatur annehmen und an den Inhalt weitergeben.

Fazit: Es ist eine gute Idee an diese drei Punkte zu denken, wenn du passende Gläser auswählst. Aber – aber macht alles vorhergehende nichtig – in erster Linie muss dir das Glas ein gutes Gefühl geben.

Wenn du das Glas in deiner Hand nicht magst, dann fühlt sich das Tasting negativ an und das ist die schlechteste Idee von allen.

Um dazu noch einen vollständigen Tipp zu geben: Ich halte das Cognac Hennessy Glas von Riedel für eines der besten, serienmäßig hergestellten Gläser für eine Rumverkostung.

Tipp: Wem das Riedel-Glas etwas zu teuer ist, findet in diesen Nosing-Gläsern eine günstige und gute Alternative.

Wie viel Zeit sollte ich für ein Rum Tasting zu Hause einplanen?

Du gehst ins Kino, schaust einen Blockbuster an. Als der Film endet, bist du glücklich, ein gelungener Abend.

Zwei- bis zweieinhalb Stunden voller Dynamik und Action im Kino. So lange darf auch ein Tasting zu Hause gerne dauern.

Das ist eine gute Mischung aus Konzentrationsfähigkeit im Einklang mit Entspannung und dem Erhalt der Vorfreude auf das nächste Mal.

Mit diesem Zeitrahmen kannst du ein Tasting zu Hause selbst in der Woche gut unterbringen, hast noch Zeit für den Rest der Familie und das Wichtigste: Du fieberst dem nächsten Mal entgegen.

„Der Austausch mit Gleichgesinnten und das Zuhören bringt dich nach vorne

Wie viele verschiedene Rums empfiehlst du für ein Tasting?

In meiner Vergangenheit bin ich gern durch Kiel gerannt und hab bei Douglas ein passendes Parfüm ausgesucht.

Die Neugier erwachte nach dem ersten Schnüffeln. Ein zweites, drittes, ein viertes, ein fünftes Fläschchen. Puh, da konnte ich dann gar nicht mehr unterscheiden. Welches hat denn nun wie gerochen? Und welches hat mir am besten gefallen?

Unser Geruchs- und unser Geschmackssinn ist irgendwann einfach vollkommen überfordert. Ein solcher Zustand stellt sich relativ schnell ein. Bereits nach drei oder vier verschiedenen Rums ist eine Sättigung deiner Nase und deines Gaumens vorhanden.

Aus dieser Erfahrung heraus verkoste drei Rums am Stück und leg dann eine Pause ein. Dann noch einmal drei Stück, so dass du insgesamt sechs Rums verkostest.

Wenn du deine Verkostung mit fünf Freunden planst, dann bringt jeder eine Flasche mit und so halten sich sogar die Kosten für das Rum Tasting zu Hause in Grenzen.

Mit welchem Rum fange ich an und wie verkoste ich einen Rum, um so viele Eigenschaften wie möglich wahrzunehmen?

Die Oma spricht französisch, der Vater ist Engländer und die Mutter spricht Deutsch. Das Kind wächst in dieser Umgebung auf und beherrscht diese drei Sprachen relativ zügig und scheinbar mühelos.

Kinder haben es sehr leicht Sprachen zu lernen. Sie können zwei- oder gar dreisprachig aufwachsen und meistern diesen Umstand mit Leichtigkeit. Wie machen die das?

In dem sie erst einmal zuhören.

Sie lernen keine Grammatik oder Rechtschreibung – sie hören zu, verinnerlichen das Gehörte und geben es dann gesprochen wieder.

Die Reihenfolge der Rums spielt keine Rolle, solange du zwischen ihnen ein kleines Päuschen von vielleicht fünf Minuten einbindest. Das reicht vollkommen aus.

So wie es bei den Sprachen keine Rolle spielt, ob die Mutti, der Vati oder die Oma angefangen hat zu quatschen. Natürlich gibt es jetzt den einen oder anderen Verfechter, der das anders sieht. Ich stell dazu eine Frage:

Woher willst du wissen, in welcher Reihenfolge die Rums sortiert werden sollen, wenn du nicht weißt, wie sie schmecken?

Probiere einen Rum auf jeden Fall drei Mal.

Das erste Mal ignorierst du gekonnt. Du gewöhnst dich an die Aromatik des Rums, wie beim Zuhören unterschiedlicher Sprachen in der Familie.

Beim zweiten Mal nimmst du mehr Noten wahr als zuvor. Das Kind beginnt die ersten Wörter zu sagen, durcheinander, unsortiert.

Beim dritten Schluck kannst du bereits auf Feinheiten achten. Inzwischen ist das Kind im Austausch mit den Erwachsenen und deren Sprachen.

Du siehst, Übung macht den Meister: Probieren, probieren, probieren. Lass dich nicht drängen, versuche nicht irgendwelchen Geschmacksbeschreibungen hinterherzulaufen, entdecke sie ganz einfach für dich – Stück für Stück.

Gerade der Austausch mit Gleichgesinnten und das Zuhören bringen dich nach vorne.

Rum Tasting zu Hause - Interview mit Falk Redlich
©Falk Redlich

„Kümmere dich um relativ neutrale oder wasserreiche Speisen“

Kann ich zwischendurch trinken und essen, ohne das Geschmacksempfinden zu mindern?

Du wachst am Morgen auf und reckst dich. Was für eine schöne Party! Vor allem das Essen war mega. Gyros mit viel Knoblauch und Zwiebeln. Mhhhh, lecker. Und jetzt gerade kaust du auf einer Wollmaus im Mund herum. Du suchst instinktiv nach drei Litern Selter!

Das ist Gift für jedes Tasting. Knoblauch und Zwiebeln in großer Menge. Das darfst du nicht tun, auf keinen Fall. Lass Zwiebelgewächse in intensiver Menge einfach draußen.

Kümmere dich um relativ neutrale oder wasserreiche Speisen. Weißes Fleisch mit wenig Gewürzen. Gurke oder Melone als wasserreiches Gemüse und Obst. Oder das gute alte Weißbrot, dass du aus Weinverkostungen kennst. Bei Getränken gilt das gleiche.

Eine ganz wichtige Frage liegt dabei sicher vielen auf der Zunge: Kannst du beim Rum Tasting ein Bier trinken? Ja, du kannst.

Die Dosis macht das Gift. Je mehr Alkohol du nebenbei konsumierst, desto weniger intensiv wird das eigentliche Erlebnis. Je kräftiger das Bier, desto weniger kannst du beim Rum erkennen und schmecken.

Trotzdem: Butter bei die Fische, wie man hier im Norden sagt. Es soll auch ein schöner Abend werden, keine Diplomarbeit. Und wenn ein Bier dazu gehört in deiner Runde – dann trink es.

Alkoholfreies Bier eignet sich ganz sicher besser für ein Tasting-Erlebnis, als alkoholhaltiges. Generell eignen sich leichte Biere mit vielen Bittereinheiten und Zitrusaromen besser als malzaromatische oder gar rauchige Biere. Letztere „kleben“ im Mund, erstere „frischen auf“.

Welche Rums gehen bei einem Tasting zu Hause immer gut für Einsteiger, für Fortgeschrittene, für Kenner?

Wenn der Bub in seiner Jugend das erste Mal Käse isst, dann vermutlich einen Gouda oder Butterkäse auf Toast. Falls er sich nun für Käse interessiert, dann wandert er vom Gouda zu würzigerem Tilsiter und am Ende sogar zu echtem Blauschimmelkäse. Wie konnte das passieren?

Jeder Mensch entwickelt sich in seinem Geschmack. Je mehr er sich für etwas interessiert, desto mehr Geschmack möchte er haben. Desto intensiver darf es sein, desto außergewöhnlicher darf es sein.

Und genauso ist es mit Rum.

Der Einsteiger neigt zu ausgeglichenen, weichen Rumsorten – der Gouda. Der Fortgeschrittene sucht mehr den authentischen Geschmack, mag es ausgefallener und würziger – der Tilsiter. Der Kenner ist weit darüber hinaus, sucht das Extreme mit den heftigsten Aromen – der bröckelnde Blauschimmelkäse im Format eines Stilton.

Für Einsteiger eignen sich deshalb süße, milde Rumsorten. Der Botucal Reserva Exclusiva, der Austrian Empire Navy und der Dos Maderas 5+5 sind passende Begleiter.

Fortgeschrittene haben bereits Interesse an trockenen Rums und steigendem Alkoholgehalt gefunden und sind bestens beraten mit dem Dictador 12 Rum, dem Mount Gay Black Barrel und dem Black Tot Rum.

Kenner der Szene lassen sich vor allem von Extremisten begeistern. Einzelne Rums zu nennen, passt hier nicht, sondern Eckdaten. Vor allem Fasstärken, also Rums aus dem Fass, die nicht mit Wasser verdünnt werden, und die Inseln beziehungsweise Länder Trinidad, Guyana und Jamaika stehen ganz hoch im Kurs.

„Beim Fachmann kaufen“

Hast du sonst noch Tipps für das eigene Rum-Tasting zu Hause?

Hier fällt mir vor allem eines ein. Wer billig kauft, der kauft zweimal.

Kauf deinen Rum dort, wo du gut beraten wirst, selbst dann, wenn du den gleichen Rum woanders für zwei Euro günstiger bekommst. Gerade als Einsteiger kannst du so schnell in die Grütze treten – weil es nicht auf der Flasche steht. Ein Fachmann hingegen weiß, welcher Rum für Einsteiger generell geeignet ist und welcher nicht.

Lass dein Geld also beim Fachmann, damit sein Gehalt auch weiterhin bezahlt werden kann. Wenn du das nicht tust, kann es sein, dass irgendwann keiner mehr weiß, was eigentlich in der Flasche drin ist. Das ist dann wie russisch Roulette – nur mit einer 50:50-Chance.

Alternativ kannst du auch bei mir auf meinen Youtube Kanal kommen und dir meine Quickies anschauen. Dort erkläre ich dir in „#1minuterum“, ob der Rum zu dir passt. Woche für Woche ergänze ich die Reihe, so dass der Fundus ständig wächst.

Du bietest professionelle Spirituosen-Tastings an und hast in deinem Leben bereits durch über 300 Verkostungen geführt. Wie kann ich mir so ein Tasting mit dir vorstellen? Und Inwieweit unterscheidet sich ein Tasting zu Hause von einem professionellen Tasting?

Stell dir vor, du hast ein Becken voller Wasser. 100 000 Liter reinstes Wasser, ohne Chlor, ohne Salze, einfach klares Wasser. Und jetzt komme ich daher und schütte einen Liter Rum hinein, rühre um und gebe dir zu kosten. Was schmeckst du?

Du kommst vor allem eines – voll auf deine Kosten. In meinen verführerischen Shows infotaine ich dich durch eine spannende Verkostung. Plastische Erzählungen, greifbare Geschmacksbilder und große Differenzen zwischen den präsentierten Rums. Eine Achterbahn der aromatischen Eindrücke.

Alles mit meiner Person, mit meiner Gestik und vor allem mit meiner Stimme. Ohne technische Begleitung – einfach ich, der dir zeigt, wie unglaublich „weit“ Rum schmeckt.

Die Antwort auf meine anfangs gestellte Frage mit dem Wasser? In meiner Show! Dort erlebst du zusätzlich noch viel mehr.

Okay, ich beantworte die Frage: Du schmeckst tatsächlich Rum. Nicht intensiv, nicht voll aromatisch, aber du schmeckst ihn.

Warum das so ist? Komm in meine Live Tasting Show – dort mache ich dieses kleine Wunder greifbar für dich.

Der Unterschied in einem Tasting zu Haus und einem geleiteten Profi-Tasting liegt ganz besonders in dieser einen Sache: in der Anleitung.

Der Moderator einer Verkostung gibt dir stetig Hilfestellung, beantwortet auftretende Fragen in der Regel sofort und führt dich in seiner gedachten Reihenfolge durch die Rums. Das macht es für dich leichter. Du kannst dich fallen lassen und den Abend einfach nur gemeinsam mit deinen Freunden genießen.

Wo können die Leserinnen und Leser bei einem RumTasting erleben?

In Flensburg gibt es die Alte Post, ein unglaublich schönes, modernes Nordic Life & Style Hotel. Dort werden zum Beispiel Live Tastings Shows in Form eines Rum & Dine mit mir angeboten. Zudem arbeite ich an einer Live Tasting Show Location in meinem Heimatort Kropp mit exklusivem Highlight und Rum Store. Das werde ich ganz sicher über meine Kanäle verbreiten, wenn es so weit ist.

Mehr von und über den Rum-Schnacker Falk Redlich und die von ihm angebotenen Tastings und Services erfährst du auf seiner Website und auf seinem YouTube-Kanal, wo du auch eine freie Vertonung einzelner Fragen dieses Interviews findest!

Beitragsbild: ©Falk Redlich

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